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LKZ 01. Juni 2012

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Freitag, 01. Juni 2012

Ludwigsburger Kreiszeitung / Foto: Christian Steiner

VERSEUCHT: BODEN MUSS ERNEUT ABGETRAGEN WERDEN.

Auf dem Gelände der früheren Flak Kaserne - heute eines der teuersten Baugebiete in Ludwigsburg - muss erneut verseuchter Boden abgetragen werden. Vorher können die betroffenen Grundstücke nicht vermarktet werden. Die Kosten belaufen sich auch 300.000 Euro.

Eigentlich hatte die Stadt gehofft, dass mit den bisherigen Sanierungen alle Schadstoffe auf dem Gelände der ehemaligen Flak Kaserne entfernt worden sind. Doch erneut gibt es eine Überraschung. Der Boden auf einem Grundstück nicht unweit des Kinder- und Familienzentrums ist mit leichtflüchtigen Kohlenwasserstoffen belastet, darunter Trichlormethan, besser bekannt als Chloroform. Enthalten sind diese Stoffe in Kaltreinigern, die einst die Amerikaner verwendethaben, um ihre Panzer zu reinigen. 

Eine mächtige Platane, an sich gesund, musste bereits im Februar gefällt werden. Jetzt soll die Erde abgetragen werden. Ein sieben Meter tiefes Loch wird man graben müssen - mit einer Schwierigkeit: Die Schadstoffe sind nah bei der Walter-Flex-Straße. Deshalb muss die Baugrube abgesichert werden, wie Peter Fazekas von der städtischen Projektgruppe Hartenecker Höhe erklärt. Damit wird eine Spezialfirma beauftragt.

Weil sich diese Lösungsmittelreste auch leicht in benachbarte Grundstücke verlagern können, stand von Anfang an fest, die belastete Erde zu entfernen. Möglicherweise gesundheitsschädliche Stoffe sollen nicht im Boden bleiben. "Wenn´s harmlos wäre, würden wir nicht machen", so Fazekas. Mit dem Gesundheitsamt hat die Stadt abgeklärt, wie stark ins Gelände eingegriffen werden muss.

Eher zufällig entdeckte die Stadt, dass auch an dieser Stelle Altlasten in der Tiefe schlummern. Und zwar, als sie ein direkt angrenzendes verseuchtes Grundstück untersuchte. Denn dort war schon 2009 eine über acht Meter tiefe Grube ausgehoben worden, um Altlasten zu beseitigen.. Diese stammen von einer Werkstatt mit Gruben für Reparaturen. Die Schadstoffe hatten dort auch das Grundwasser gefährdet. Um sicher zu gehen, dass es dort keine Belastungen mehr gibt, hatte die Stadt Bohrungen vornehmen lassen und dabei die weitere Verunreinigung entdeckt.

Bislang war des Gelände nicht zum Verkauf angeboten. Wer weiß, dass der Boden verunreinigt ist, hat schließlich kein gutes Gefühl, wenn er darauf bauen möchte. Mit der Sanierung soll dies ausgeräumt werden, die Nachfrage nach Grundstücken in Ludwigsburg, ist sehr hoch. Fazekas ist deshalb zuversichtlich, dass es dafür wie für die anderen, inzwischen sanierten Flächen Interessenten gibt.

Mit dem Aushub soll so schnell wie möglich begonnen werden. Vier Monate lang werden die Arbeiten andauern, rechnet die Stadt dem Bauausschuss vor. Der wird heute beraten, wer den Auftrag für die Sanierung bekommt. Die Kosten belaufen sich auf 300.000 Euro.

Ein Betrag, der die Ausgaben für die Altlasten-Sanierung weiter nach oben treibt. Bislang ging die Stadt für das gesamte Gebiet der Flak Kaserne von Kosten in Höhe von 1.6 Millionen Euro aus. Dieser Betrag steigt nun auf 1.9 Millionen an. Das Geld muss die Stadt allerdings nicht aus dem eigenen Haushalt nehmen. Die Schadenssanierung darf sie vom Kaufpreis abziehen, den sie an den Bund zahlen muss. 2.5 Millionen Euro sind für die Altlastenbeseitigung abziehbar. "Wir haben also noch Reserven", stellt Fazekas deshalb fest.