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LKZ 10. April 2010

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Samstag, 10. April 2010

Ludwigsburger Kreiszeitung / Foto: Christian Steiner

VON WOHNTRÄUMEN AUF DER HARTENECKER HÖHE.

Das hier ist für mich wie Urlaub! Barfuss steht die junge Frau an der Haustüre, die kleine Tochter lugt neugierig-schüchtern hinter der Mutter hervor. Für einen grösseren Bauplatz wäre ich auch woanders hingezogen, aber mein Mann wollte in Ludwigsburg bleiben sagt sie.

Seit Ende Februar wohnt die fünfköpfige Familie in Ludwigsburgs grösstem Neubaugebiet, der Hartenecker Höhe in Ossweil. Damit zählen die fünf zu den ersten von insgesamt rund 1600 Bewohnern.

Sie schwärmt von der Sonne, die das neue Haus erhellt, und die sogar im Winter ihren Weg in diesen Winkel der Hartenecker Höhe findet. Ein eigener Garten war uns wichtigste, sagt die junge Frau. Zuvor wohnten sie zur Miete. Maisonette. In Ossweil.

Noch führt ein robuster Holzsteg hin zur Haustüre. Noch baumelt die Klingel frei an einem Kabel entlang der Hauswand. Noch ist der Garten nicht angelegt. Aber schon jetzt ist die Freude ueber ein eigenes Haus riesengross. 

Gross ist die Nachbarschaft momentan noch nicht. Nur wenige der Einfamilien- oder Doppelhäuser sind bezogen. Statt Bobbycar-Gerumpel und Rasenmäher toent Baugruben-Baggern, Zimmermann-Gehämmer und Landschaftsgärtner-Schaufeln über das ehemalige Kasernen-Areal.

Hoch oben, im Geäst einer alten, blätterlosen Platane hängt ein Nistkasten mit Nummer 40. Nach neuer Heimat sieht der nicht aus. Eher nach solider Altbauwohnung. Gegenüber verspricht ein Bauträger die richtige Entscheidung. 

Vom Gebäude Nummer 1733 stehen nur die Aussenmauern. Es ist eines der wenigen Bauten aus Kasernenzeit, die bleiben werden inmitten von nigelnagelneuen Häusern. Die Nummer 1733 ist die einstige Turnhalle. Hier wird einmal das Kinder- und Familienzentrum einziehen.

Kinder gibt es schon jetzt auf der Hartenecker Höhe. Irgendwo auf einer Mülltonne steht eine blaue Babytrinkflasche. Ein Dreirad parkt im Bau-Matsch. Das raumhohe Terrassenfenster gibt den Blick frei auf eine Kugelbahn.

Mit der Kugelbahn spielen der Elfjährige und seine 13 Jahre alte Schwester schon lange nicht mehr. Sie tragen Handschuhe und müssen auf der Baustelle mit anpacken. Schliesslich sind Ferien. Die ersten zwei Stunden ziehen sie mit, dann haben sie keine Lust mehr, sagt ihre Mutter nachsichtig.

Nun, Bauschutt wegräumen ist sicher nicht jedermanns Sache. Aber schliesslich will die Familie im Sommer einziehen. Und da muss noch so manches getan werden. Wir streichen selbst und verlegen die Bodenfläche, erzählt die Frau. Momentan wohnt die Familie in Schwieberdingen zur Miete in einem Mehrfamilienhaus. Keine Dauerlösung, wie sie finden. Nach 20 Uhr dürfen die Kinder kein Klavier mehr spielen, und wir wünschen uns einen eigenen Garten. Das Rasenmähen, das ist jetzt schon abgemacht, ist Männersache.

Männer gaben hier bereits vor 80 Jahren den Ton an, als die Hartenecker Höhe noch Flak-Kaserne hiess. Doch die Uhr am Glockenturm des ehemaligen Kasinos ist schon vor langer Zeit stehen geblieben. Und in der Kegelstube der Turnhalle rollt schon seit Ewigkeiten keine Kugel mehr.

Stattdessen wächst ein Olivenbaum im Terrakottatopf auf einer Terrasse, der bislang das Gras fehlt. Und auf einem Plakat ist von Wohnträume zu lesen. Träume, die die ersten Bewohner der Hartenecker Höhe jetzt schon leben.